Eine Exkursion des Arbeitsbereichs Osteuropäische Geschichte führte uns – eine Gruppe von 15 Personen, davon 12 Studierende – in die Dobrudscha, Rumänien, wo wir ein reichhaltiges und vielfältiges Programm (von der Antike bis zum 21. Jahrhundert) absolvierten. Dazu zählten zahlreiche Besichtigungen sowie Begegnungen mit Lehrenden und Studierenden an der Ovidius-Universität, Constanța, und mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ethnien. Die Exkursion wurde gefördert von den Freunden der Universität Mainz e. V., vom Verein der Freunde der Geschichtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz e. V. und vom GRK 2304 „Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen“. Im Folgenden geben die Studierenden jeweils kurze Einblicke in die einzelnen Tage.
Am Samstag, 20.9., ging es nach einem Flug von Frankfurt nach Bukarest weiter mit dem Bus in den Osten, durch den ewig weiten Bărăgan der Donau entgegen. Nach der Überquerung der Anghel-Saligny-Brücke waren wir endlich da, in der Dobrudscha!

Am nächsten Morgen (Sonntag, 21.9.) begann die Fahrt am Hotel Siret in Mamaia (Constanța), die für manche einen ersten, für andere einen neuen Einblick vermittelte, unter anderem, was die Religion des Landes und den Kontrast zwischen Arm und Reich angeht. An (fast) jeder Ecke waren kleinere Klöster/Kirchen, was die Wichtigkeit der Religion zeigte. Der Kontrast zwischen Arm und Reich wurde deutlicher, je mehr wir uns von der Stadt entfernt haben, da die Häuser immer heruntergekommener und kleiner wurden. In Adamclisi haben wir das Denkmal besucht, welches den Sieg Trajans über die Daker symbolisiert. Am Nachmittag stand das Denkmal für die Opfer des Donau-Schwarzmeer-Kanals in Poarta Albă auf dem Programm, das sich allerdings in keinem guten Zustand befand.


Am Montag, 22.9., fuhren wir gemeinsam mit einem Professor der Universität Constanța zunächst nach Năvodari. Dort angekommen, besuchten wir eine lipovanische und eine rumänisch-orthodoxe Kirche. Anschließend ging es nach Lumina zu einer ehemals protestantischen, nun orthodoxen Kirche. Darauf folgte das erste Highlight des Tages: Besuch beim Sitz der Demokratischen Union der türkisch-muslimischen Tataren in Medgidia. Direkt im Anschluss besuchten wir die Abdul-Medgid-Moschee, in der uns der Imam willkommen hieß. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg zum zweiten Highlight des Tages: Mangalia, Heimat der ältesten Moschee der Dobrudscha und ein beliebter Badeort in der Zeit des Sozialismus. Begleitend dazu hielt eine Teilnehmerin einen Vortrag über die Hintergründe der Gestaltung von Hotels aus ebendieser Zeit und davor. Unsere Rückfahrt wurde uns durch den Sonnenuntergang vergoldet.
Am Dienstag, 23.9., standen zum einen ein Besuch der Ovidius Universität und des Weiteren eine Führung durch Constanța an. Der Tag startete mit einem gemeinsamen Workshop „Minderheiten in der Dobrudscha in Geschichte und Erinnerungskultur“. Dieser war zweigeteilt in kurze Expertenvorträge durch Dozierende beider Universitäten einerseits und ein anschließendes Gespräch zwischen Studierenden der Ovidius Universität und der Johannes Gutenberg-Universität andererseits. Im Anschluss erfolgte eine kurze Busfahrt in die „Old Town“ von Constanța. Dort erhielten wir zunächst eine Führung durch das 1910 im Jugendstil errichtete (und von 2023-2025 restaurierte) Casino, ein Gebäude, welches in seiner Geschichte eine äußerst wechselhafte Verwendung und Bedeutung erfahren hat. Abschließend erfolgte am Nachmittag eine geführte Tour durch die Altstadt von Constanța. Hier wurde uns unter anderem die wechselhafte und kulturell vielseitige Geschichte der Stadt vor Augen geführt.

Am Mittwoch, 24.9., stand uns ein erlebnisreicher Tag bevor. Auf dem Weg in die Ruinenstadt Histria sahen wir bereits den Flughafen Mihail Kogălniceanu, der derzeitig als Nato Stützpunkt genutzt wird und auch die „Schluchten“ der Dobrudscha, welche mit ihren beeindruckenden Felsformationen zu einem der ältesten Naturgebiete Europas zählen. In Histria angekommen, haben wir uns zuerst das Museum angesehen. Weiter ging unsere Führung direkt über die wunderschöne Ruine. Danach fuhren wir zu einer traumhaften Kulisse, die uns die Burgruine Enisala bot, von der aus die Sumpflandschaft der Dobrudscha erkennbar war. Ein kleines Highlight unserer Exkursion war der anschließende Besuch der Lipovanerkirche in Sarichioi, die wir in langer Kleidung und, für die Frauen, mit Kopftuch betraten. Interessante Traditionen wurden uns nähergebracht und Geschichten über Priester erzählt, die in einem Sack in der Donau gelandet sind. Nach einem langen Tag sind wir in unserem Hotel in Tulcea angekommen.

Am Donnerstag, 25.9., sind wir von Tulcea aus zuerst nach Niculițel gefahren, um dort insbesondere die Märtyrerkrypta zu besichtigen. In dem Museum vor Ort haben wir zudem einen Blick auf die Grundmauern der darüber errichtete Basilika erhalten. Von dort aus sind wir, nach einem Halt an der byzantinischen Kirche Hl. Athanasius, zu dem Kloster Cocoș gefahren, um die Klosteranlage und besonders die Klosterkirche zu besichtigen, welche im Inneren vollständig mit goldenen und farbigen Mosaiksteinen ausgeschmückt ist. Der nächste Stopp hat uns nach Isaccea geführt. Dort standen wir auf einer Anhöhe der Ausgrabungsstätte von Noviodunum und haben einen Blick über die Donau auf die Ukraine erhascht. Zurück in Tulcea haben wir als letzten Tagespunkt in Tulcea zwei Museen besichtigt. Dabei konnte jede(r) sich zwischen dem Donau-Delta Museum und der Casa Avramide entscheiden.

Am Freitagmorgen, 26.9., ging es mit zwei Schnellboten nach Sulina, der kleinen Stadt an der Donaumündung, die bis zum Ersten Weltkrieg Heimat der Europäischen Donaukommission und Treffpunkt der Großmächte war. Das ehemalige Kommissionsgebäude, der Friedhof mit seinen Abteilen für die verschiedenen Religionen, das Museum im alten Leuchtturm und die Kirchen der Stadt gaben uns einen Einblick in die multiethnische und kosmopolitische Geschichte der Stadt, die durch Jean Barts Roman als ‚Europolis‘ bekannt wurde.

Am Samstag, 27.09., folgte morgens die Rückfahrt mit dem Boot von Sulina nach Tulcea. Nach einer kurzen Mittagspause erkundeten wir die Stadt unter einer versierten einheimischen Leitung. Dabei wurde besonders deutlich, wie sich das Stadtbild im Laufe der Zeit, insbesondere während des Sozialismus, verändert hat. Nach einem längeren Aufenthalt am Unabhängigkeitsdenkmal, welches auf einem Hügel gelegen ist und daher einen tollen Blick über die Stadt bietet, machten wir uns schließlich auf den Weg ins Hotel und ließen den letzten Abend unserer Exkursion ausklingen.
Am Sonntag, 28.9., startete 8 Uhr morgens die lange Heimreise. Noch einmal durch die Hügel des Kreises Tulcea zur Donau. Um 10:20 Uhr haben wir mit der Donaubrücke von Hȃrșova die Dobrudscha hinter uns gelassen. Weiter ging es, wie auf der Hinfahrt, durch den Bărăgan, wo wir die Exkursion noch einmal Revue passieren ließen. Um 14 Uhr kamen wir am Flughafen an. Um 18 Uhr haben wir rumänischen Boden hinter uns gelassen, mit schönen Erinnerungen, interessanten Begegnungen und aufgeschlossenen Menschen. Auf ein Wiedersehen!
Bericht von Sophia Carlotta Brockhues, Nele Katharina Koch, Pia Simone Kurzbach, Lennard Peter Menzer, André Mohr, Lara Vianne Nagel, Rares Andrei Pisau, Lukas Riemer, Viola Marie Schöpfel, Felix Tamm, Emma Wojewsky, Henriette Sophie Catherine Wolff, Hans-Christian Maner

Die Kommentare sind geschlossen.